Begriff "Zwangsarbeiter": Kriegsgefangene

Über 4,5 Millionen Kriegsgefangene waren während des Zweiten Weltkrieges im Deutschen Reich im Arbeitseinsatz: neben kleineren Gruppen von Engländern, Serben und Wallonen ca. 300 000 Polen, fast 1.3 Millionen Franzosen und fast zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, nachdem die Wehrmacht in den ersten Monaten des Ostfeldzugs von den anfänglich 3.35 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen zwei Millionen hatte verhungern lassen. Erst Ende Oktober 1941 entschied sich Hitler fr den Arbeitseinsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen im Reich, vor allem im kräftezehrenden Bergbau. Noch einmal die Hälfte dieser Kriegsgefangenen starb während dieses Arbeitseinsatzes. Nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten im September 1943 wurden auch etwa 500 000 Italiener als "Militärinternierte" (IMIs) ins Reich transportiert. Als vermeintliche Verräter wurden sie fast ebenso menschenverachtend behandelt wie die sowjetischen Kriegsgefangenen. Auch bei ihnen war die Sterblichkeitsrate (etwa 7 %) sehr hoch.

Im Juli 1940 wurden die polnischen Kriegsgefangenen bis auf 35 000 (die für die Wehrmacht arbeiteten) zwangsweise in den Zivilstatus überführt und waren damit dem gleichen diskriminierenden Sonderrecht unterworfen wie die zivilen polnischen Zwangsarbeiter. Von den französischen Kriegsgefangenen wurden aufgrund eines Abkommens mit der Vichy-Regierung vom Juni 1942 ca 90 000 gegen 240 000 französische Zivilarbeiter ausgetauscht ("Relve"), und ca 220 000 entschieden sich für die mit der Überführung in den Zivilstatus gegebene größere individuelle Freiheit und bessere Bezahlung, was seit April 1943 ("Transformation") möglich war. Sie verloren dadurch allerdings den Schutz der Genfer Konvention und des Internationalen Roten Kreuzes und mussten sich den Vorwurf der Kollabaration gefallen lassen. Ein Teil von ihnen wurde jedoch auch zwangsweise in den Zivilstatus überführt, weil einige Kriegsfangenen-Arbeitskommandos geschlossen in zivile Arbeitseinheiten umgewandelt wurden, wenn sich die Mehrheit dafür aussprach.
 

Hierarchie der Diskriminierung

Briten
Franzosen
Wallonen
Serben
Polen
Italiener (IMIs)
"Sowjets"

 
Literatur:

Gerhard Hirschfeld, Zur Begrifflichkeit "Zwangsarbeit", in: Klaus Barwig / Dieter R. Bauer / Karl-Joseph Hummel, Zwangsarbeit in der Kirche, Entschädigung, Versöhnung und historische Aufarbeitung, Stuttgart 2001

Mark Spoerer, Zwangsarbeit im Dritten Reich - Fakten und Zahlen, Universität Hohenheim 13.12.2000

Ders., Zwangsarbeit im Dritten Reich und Entschädigung: ein Überblick, in: Klaus Barwig / Dieter R. Bauer / Karl-Joseph Hummel, Zwangsarbeit in der Kirche, Entschädigung, Versöhnung und historische Aufarbeitung, Stuttgart 2001

Ders., Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart München 2001, S. 64 f.

 


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